Der deutsche Private-Equity-Midmarket sendet widersprüchliche Signale: Die Stimmung bleibt verhalten, doch Dealflow und Fundamentaldaten verbessern sich. Der FINANCE Midmarket-Private-Equity-Monitor zeigt, wo die Bremsen noch greifen und wo sich 2026 Chancen öffnen.
Stimmung vs. Fakten: Die Dichotomie bleibt – der Dealflow dreht
Der aktuelle FINANCE Midmarket-Private-Equity-Monitor, den FINANCE zweimal im Jahr gemeinsam mit der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) erhebt, bringt die Lage präzise auf den Punkt: 44 Prozent der befragten Private-Equity-Professionals bewerten die aktuelle Marktsituation schlechter als im Sommer, nur 17 Prozent sehen eine Verbesserung. Gleichzeitig blicken 56 Prozent positiv auf 2026 – allerdings erwarten 39 Prozent eine schlechtere Entwicklung. Diese Polarisierung zeigt: Der Markt rechnet mit einer Trendwende, aber viele warten noch auf belastbare Trigger.
Der wichtigste harte Indikator spricht jedoch eine deutlichere Sprache als das Sentiment: Der Dealflow verbessert sich kontinuierlich und erreicht 5,4 Punkte auf einer Skala von 1 bis 10 – die vierte Verbesserung in Folge und der höchste Wert seit Sommer 2023. Damit rückt das Marktumfeld wieder in Richtung „normalisiert“, auch wenn es bis zum Allzeithoch von 6,4 Punkten (Winter 2021) noch Abstand hat.
Exit-Krise: Vom Konjunkturthema zum strukturellen Engpass
Dass die Stimmung dennoch defensiv bleibt, hat einen Hauptgrund: Exits. Der Monitor beschreibt die Exit-Krise und die daraus resultierenden geringen Rückflüsse an Limited Partners als strukturelles Problem. Dies wirkt sich direkt auf das Fundraising und LP-Verhalten aus: Zwei Drittel der Befragten bezeichnen das Fundraising als „herausfordernd“ oder „sehr herausfordernd“ (44 Prozent „herausfordernd“, 22 Prozent „sehr herausfordernd“). Auffällig ist dabei, dass niemand die Situation als „kaum“ oder „überhaupt nicht herausfordernd“ einstuft.
Für Fondsmanager folgt daraus ein klarer Imperativ: Liquidität wird zur Strategie. Fonds, die Exit-Lösungen wie Secondaries, GP-geführte Transaktionen und Continuation-Fonds nutzen oder glaubhaft darlegen, wie sie in den nächsten 12 bis 18 Monaten Liquidität generieren wollen, im Fundraising spürbare Vorteile haben. Gerade im Midmarket ist das ein Differenzierungsmerkmal, weil es Track Record nicht nur über Bewertung, sondern über Ausschüttungsfähigkeit („DPI-Story“) beweist.
Wertschöpfung 2026: Effizienz bleibt King, Buy and build wird selektiver
Auch auf Portfolioebene verschiebt sich die Wertschöpfungslogik. Der Monitor zeigt einen Paradigmenwechsel: Effizienz- und Kostenprogramme bleiben die meistgenannte Methode zur Wertsteigerung (78 Prozent), während Buy and build mit 67 Prozent knapp dahinter folgt. Das ist keine Momentaufnahme, sondern verfestigt sich seit zwei Erhebungen – also seit gut einem Jahr. Die Botschaft ist klar: In unsicheren Zeiten sichern Investoren zunächst Profitabilität, bevor sie aggressiv in Wachstum investieren.
Multiple Arbitrage wird 2026 kein verlässlicher Basistreiber. Wer Rendite liefern will, muss sie im Unternehmen erarbeiten, über Cash Conversion, Preisdurchsetzung, Prozessperformance und ein belastbares Working-Capital-Setup. Buy and build bleibt wichtig, aber es wird granularer: weniger „breit“ konsolidieren, stärker nach strategischem Fit und Synergiepfad selektieren.
Sektortrends: Defense und Energie – Momentum mit Pricing-Risiken
Die Sektorpräferenzen spiegeln die geopolitische Lage direkt wider: 56 Prozent der Befragten nennen Defense als vielversprechendsten Sektor für 2026, Energie folgt mit 28 Prozent. Professional Services fallen in der Umfrage dagegen auf 6 Prozent zurück, obwohl der Bereich zuletzt stark diskutiert wurde.
Für den Midmarket folgt daraus eine doppelte Disziplin: Erstens braucht es ein klares Sektor-Narrativ, um Deal-Sourcing und Equity Story zu schärfen. Zweitens muss man bei „Hot Sectors“ konsequent underwriting-stark bleiben, weil Momentum schnell zu Pricing-Spreads und Exit-Fragezeichen führen kann.
Wer antizyklisch handelt, gewinnt Zeit und Qualität
Die zentrale Erkenntnis aus der aktuellen Ausgabe des Midmarket Monitor lautet: Der Midmarket erholt sich fundamental, aber die Exit-Liquidität hängt hinterher. Genau deshalb entstehen 2026 Chancen für Fonds, die mutig genug sind, antizyklisch zu agieren – mit operativer Wertschöpfung als Kern und einem früh geplanten Exit-Pfad als Teil der Investment-These.







