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ENTWICKLUNG UNTER BETEILIGUNG DER DBAG

INTERVIEW MIT TORSTEN GREDE, SPRECHER DES VORSTANDS DER DBAG

Die DBAG ist bekannt geworden als Investor mit besonderer Kompetenz im Maschinen- und Anlagenbau, für Automobilzulieferung und für industrielle Dienstleistungen. Was hat sie dazu bewogen, damals dennoch in ein Unternehmen wie die Schülerhilfe zu investieren?

Es ist richtig: Wir waren damals noch vor allem an Beteiligungen an gut positionierten mittelständischen Unternehmen mit industriellen Geschäftsmodellen interessiert. Aber das Angebot an solchen Beteiligungen ist nicht ausreichend, um die Mittel aus unseren inzwischen größeren Fonds zu investieren.

Deswegen ist das Spektrum der Geschäftsmodelle in unserem Portfolio breiter geworden. Wichtig dabei ist: Es bleibt bei unseren Kriterien – Entwicklungspotenzial auf Basis einer guten Marktposition und unternehmerisches Management, um nur die beiden wichtigsten zu nennen.

Zum Zeitpunkt unseres Einstiegs hatte Schülerhilfe rund 80.000 Kunden, die an 1.050 Standorten unterrichtet wurden. 40 Prozent dieser Standorte wurden von Schülerhilfe selbst betrieben, bei den übrigen handelte es sich um Franchise-Nehmer. Die Schülerhilfe war damals Deutschlands drittgrößtes Franchise-Modell nach Anzahl der betriebenen Franchise-Einheiten.

Die Marktanalyse zeigte für uns positive fundamentale Markttrends. Zum Beispiel eine steigende Bereitschaft vieler Schüler und Eltern, für einen guten Schulabschluss zusätzlich Zeit und Geld aufzuwenden. Ebenso zeigte sie, das institutionelle Nachhilfe gegenüber dem grauen Markt an Marktanteilen gewann. Schülerhilfe konnte also den Markt konsolidieren.

Wie ist es gelungen, sich in eine für die DBAG gänzlich neue Branche einzuarbeiten und dort Wertsteigerungspotenziale zu entdecken?

Unser Unternehmen und unser Team verfügen zum einen über umfangreiche Erfahrung im Beteiligungsgeschäft. Im Durchschnitt haben die Mitglieder des Investmentteams mehr als zehn Jahre mit der Analyse von Geschäftsmodellen, dem Beurteilen von Entwicklungspotenzialen und dem Begleiten von Veränderungsprozessen zu tun.

Zudem profitieren wir bei solchen Möglichkeiten natürlich auch von unserem exzellenten Branchennetzwerk, was uns half relativ schnell ein fundiertes Verständnis des Geschäftsmodells der Schülerhilfe zu gewinnen.

Worin genau hat die DBAG das Wachstumspotenzial bei Schülerhilfe gesehen?

Das robuste Geschäftsmodell, angesichts der geringen Korrelation zu makroökonomischen Entwicklungen und niedrige operative Risiken sowie die führende Marktposition, in einem ansonsten sehr fragmentierten Markt, machten die Schülerhilfe zu einem interessanten Beteiligungsobjekt für uns.

Wie sah der Investment Case für die Weiterentwicklung der Schülerhilfe aus?

Es gab mehrere Punkte, in denen wir Wertsteigerungspotenzial gesehen haben. Zum Beispiel hing die Zahl der Neukunden signifikant mit den Marketingausgaben zusammen. Aufgrund der Größe und den damit verbundenen finanziellen Mitteln befand sich Schülerhilfe in der komfortablen Position, seine Marktanteile kontinuierlich auszubauen.

Darüber hinaus zeichnete sich das Geschäftsmodell auch durch niedrige zusätzliche Kosten für jeden weiteren Schüler aus und ermöglichte operative Synergien, aus denen sich ein hoher zusätzlicher Margen-Vorteil ergab.

Zeitgleich sahen wir auch großes Potenzial zur Erschließung neuer Märkte. Hier sind vornehmlich die Erwachsenenbildung und der Online-Unterricht zu nennen. Der Rückkauf von Franchise-Zentren bot eine weitere kontinuierliche Quelle für Umsatz- und Ergebniswachstum.

Wie haben sich die angestoßenen Veränderungen in den Zahlen des Unternehmens widergespiegelt?

Die Zahl der Neukunden stieg um rund vier bis sechs Prozent pro Jahr. Der Umsatz legte auf mehr als 60 Millionen Euro 2017 zu. Die Profitabilität verbesserte sich so, dass sich das Betriebsergebnis nahezu verdoppelte.

Das Geschäftsmodell generiert viele freie Mittel. Das ermöglichte eine zügige Schuldentilgung und eröffnete die Möglichkeit einer Refinanzierung.

Was bestimmte schließlich den Zeitpunkt der Veräußerung? Immerhin haben Sie das 3,9-Fache der investierten Mittel zurückerhalten.

Nicht nur wir, auch die Geschäftsführung der Schülerhilfe hat unaufgefordert mehrere Kaufangebote erhalten.

Vor dem Hintergrund dieses hohen Interesses, der sehr attraktiven Marktdynamik und der günstigen Handelsbedingungen haben im März 2017 neben einem Refinanzierungs- auch einen Veräußerungsprozess eingeleitet. Schließlich konnten wir aus einer Vielzahl von Interessenten wählen, darunter überwiegend Finanzinvestoren, aber auch ein strategischer Investor. Die Angebote waren so attraktiv, dass wir uns zu einem Verkauf entschlossen haben.

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