17.01.2020

Drohende Rezession hinterlässt Spuren bei Private Equity: Mehr Restrukturierungsarbeit und weniger Beteiligungsmöglichkeiten

  • Branchenumfrage: Überwiegende Mehrheit der Investoren erwartet Beeinträchtigung der Wertentwicklung ihrer Portfoliounternehmen
  • DBAG Vorstandssprecher Torsten Grede: „Solide Bilanzstrukturen und Diversifikation sichern Portfolios ab“
  • Buy-and-Build gewinnt weiter an Bedeutung

Frankfurt am Main, 17. Januar 2020. Die Private-Equity-Branche sorgt sich angesichts einer drohenden Rezession um die Wertentwicklung ihrer Portfolios. Für 2020 stellt sie sich auf mehr Restrukturierungsarbeit ein. Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter Investmentmanagern aus mehr als 50 in Deutschland tätigen Private-Equity-Häusern. Sie werden alle sechs Monate im Auftrag der Deutschen Beteiligungs AG vom Fachmagazin FINANCE über Trends im deutschen Private-Equity-Markt befragt. Die eingetrübten ökonomischen Rahmenbedingungen beeinflussen der Umfrage zufolge außerdem den Deal­flow negativ. Die Frage: Ist die Branche auf einen Abschwung diesmal besser vorbereitet als 2009?

Im Sommer hatten drohende Handelsauseinandersetzungen, ein chaotischer Brexit oder auch der schon damals eingetrübte Konjunkturausblick die Private-Equity-Branche noch kaltgelassen. Ein halbes Jahr später hat sich die Stimmungslage unter den Investment-Managern deutlich verändert: Jetzt geht eine überwältigende Mehrheit von 80 Prozent der befragten Investment-Manager davon aus, dass die Rezession in der Industrie und das schwächere Wachstum die Wertentwicklung der Private-Equity-Portfolios 2020 beeinträchtigen wird. Zehn Prozent erwarten sogar eine „starke“ Beeinträchtigung. Für Optimismus bleibt angesichts dieser Zahlen wenig Raum: Lediglich jeder zehnte Beteiligungsmanager geht davon aus, dass das eigene Portfolio von der Rezession nicht negativ beeinflusst werden wird.

Aus dieser Erwartungshaltung folgt, dass sich die Private-Equity-Gesellschaften im neuen Jahr auf mehr Restrukturierungsfälle einstellen. 70 Prozent der befragten Portfoliomanager gaben zu Protokoll, dass Private Equity 2020 im Vergleich zu 2019 mehr Restrukturierungsarbeit werde leisten müssen. Weitere acht Prozent rechnen sogar mit deutlich mehr Restrukturierungsaufwand. Von einem Rückgang des Restrukturierungsaufwands geht kein einziges der befragten Private-Equity-Häuser aus. „In einem solchen Umfeld kommt es mehr als sonst auf die Erfahrung an – langjährig tätige Fondsmanager sind krisenerprobt“, hob Torsten Grede, Sprecher des Vorstands der Deutschen Beteiligungs AG, hervor. Und: „Wichtig ist dann, dass verschiedene Entwicklungsszenarien für das Unternehmen und seinen Markt schon beim Kauf berücksichtigt werden und Niederschlag in der Finanzierung finden.“

Bei der Frage, ob Private Equity besser als 2009 auf den Abschwung vorbereitet ist, gehen die Meinungen auseinander. 40 Prozent der befragten Beteiligungsmanager halten die heutigen Portfolios für genauso anfällig für Wertminderungen wie 2009. 23 Prozent finden sie sogar noch anfälliger, es gibt auch Stimmen (38 Prozent), die sich positiver äußern und glauben, dass ihre Portfolios heute weniger anfällig als vor der Finanzkrise sind. „Für die unsere Aktionäre und Investoren ist es sicher vorteilhaft, dass wir unser Investitionsspektrum in den vergangenen Jahren systematisch verbreitert und so einen besseren Risikoausgleich erreicht haben“, erläuterte DBAG-Vorstandssprecher Grede.

Die eingetrübten ökonomischen Rahmenbedingungen vor allem in der deutschen Industrie beeinflussen außerdem den Dealflow – und das auf zwei Wegen. Zum einen liegen die Umfragewerte zum Dealflow auch jetzt zum wiederholten Mal unter früheren Höchstwerten. Darüber hinaus scheint die Furcht vor einer Rezession auch die Zusammensetzung des Dealflows zu verändern. Private-Equity-Investoren suchen nach weniger konjunkturanfälligen Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen oder hochwertigen Dienstleistungen.

Der Umfrage zufolge ist die Bedeutung von Buy-and-Build als Wertsteigerungsstrategie noch einmal gestiegen: 85 Prozent der befragten Beteiligungsmanager erachten sie derzeit unter sechs als beste Wertsteigerungsmethode. Für diese Entwicklung könnten zwei Gründe sprechen: Zum einen dürfte sich die Verkaufsbereitschaft mancher Unternehmen in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten erhöhen.

Zum anderen sind die Portfoliounternehmen der Private-Equity-Häuser aufgrund der derzeit hohen Einstiegsmultiples zum weiteren Wachstum gezwungen: „Auch wir nutzen Unternehmenszukäufe als Katalysator für die Wertentwicklung“, sagte DBAG-Vorstandssprecher Grede; „allein im vergangenen Geschäftsjahr hat jedes vierte Unternehmen in unserem Portfolio mindestens ein kleineres Unternehmen erworben.“