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Private Equity nach einem Jahr Pandemie: Business as usual

Kaum Anpassungen der Investitionsstrategie – Dealflow auf Vorkrisenniveau
„Lockerungen“ und „Erleichterungen“ sind die Wörter der Stunde, auch in der Wirtschaft: Ob es um das Ende der Homeoffice-Pflicht oder der Reise-Beschränkungen geht, die auch Geschäftsreisen betreffen, ob um Öffnungen im Einzelhandel und in der Gastronomie oder um die Wiederkehr von Seminar- und Kongressveranstaltungen in Präsenz – die düsteren Zeiten, in denen von einem „Jahrhundertereignis“ (Angela Merkel) die Rede war und zum Beispiel in den USA Instrumente der Kriegswirtschaft angewendet wurden, scheinen vorbei. Die Normalität kehrt zurück. Das gilt im Großen, aber auch für die Private-Equity-Industrie. So lassen sich jedenfalls die Ergebnisse des jüngsten FINANCE Midmarket-Private-Equity-Monitors deuten.

Das Fachmagazin lässt zusammen mit der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) die Investment-Manager von knapp 50 mittelständischen Private-Equity-Häusern regelmäßig anonym befragen – zuletzt in der zweiten Maihälfte. Das Ergebnis lässt sich so zusammenfassen: Ein weiterhin harter Wettbewerb, ein unverändert hohes Preisniveau und parallel dazu Krisenmanagement – aber kaum Änderungen der Investitionsstrategie.

Rund die Hälfte der Finanzinvestoren gibt an, dass sich ihr Investitionsverhalten durch Corona nicht verändert habe. Und bei jenen Investmentmanagern, die eine Veränderung im Investitionsverhalten beobachten, dreht sich der Großteil um die Beurteilung der Geschäftsmodelle potentieller M&A-Targets.

Knapp die Hälfte (44 Prozent) glaubt, dass es jetzt Geschäftsmodelle gibt, die nicht mehr investierbar sind. Rund ein Drittel investiert stärker als vor Corona in digitale Geschäftsmodelle. 22 Prozent der befragten Private-Equity-Investoren streben nach mehr Branchendiversifikation, um besser für das Unvorhergesehene gewappnet zu sein.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die richtigen Schlussfolgerungen gezogen wurden“, kommentiert DBAG-Vorstandssprecher Torsten Grede das Umfrageergebnis: „In der Pandemie haben bestimmte Geschäftsmodelle nicht nur nicht gelitten, sondern sogar an Dynamik gewonnen – digitale Geschäftsmodelle gehören dazu. Und es hat sich der Wert von Diversifikation gezeigt – deshalb ist auch das Streben nach mehr Branchendiversifikation nachvollziehbar“, so Grede weiter.

Die Auswirkungen für das künftige Investitionsverhalten also überschaubar – aber was ist mit den Investitionsgelegenheiten während der Pandemie? Rückblickend haben sich Krisenjahre immer als gute Jahre für Private Equity entpuppt. Unmittelbar nach Ausbruch der Pandemie waren im Frühjahr 2020 die Transaktionsaktivitäten zunächst deutlich zurückgegangen. „Verständlich“, meint DBAG-Vorstandssprecher Grede, „im Vordergrund standen die Sorge um das vorhandene Portfolio und die Unsicherheit über die makroökonomischen Folgen der Krise.“ Rasch zeigte sich jedoch, dass die Pandemie eher einen realwirtschaftlichen Schock, aber nicht eine Krise des Kapitalmarktes auslösen würde, so wie 2008 das Platzen der Immobilienblase in den USA. Die Schockstarre am M&A-Markt hatte sich rasch wieder gelöst. Das Investitionsvolumen erreichte 2020 dann zwar nicht mehr das Rekordniveau des Jahres 2019, aber immerhin die guten Zahlen des Jahres 2018.

Inzwischen, so scheint es, ist die Pandemie im Private-Equity-Markt überwunden. So hat der Wettbewerbsdruck durch Strategen wieder zugenommen. Schätzten die PE-Manager ihre Wettbewerbsposition in M&A-Auktionen im Dezember 2020 mit 6,46 von zehn möglichen Punkten noch so gut ein wie nie zuvor seit Auflage des Midmarket-Private-Equity-Monitors im Jahr 2015, ist dieser Wert nun wieder leicht auf 6,29 zurückgegangen. Auf einen neuen Höchstwert hingegen ist die Einschätzung zur Konkurrenz zwischen den Fonds gestiegen: Mit 8,17 Punkten erreicht der Wettbewerbsindikator innerhalb des Private-Equity-Lagers einen extrem hohen Wert (Dezember 2020: 8,09; Juni 2020: 6,83). Dies zeigt, wie kurz das „Chancen-Fenster“ vor einem Jahr nur offen stand, in dem mutige Investoren auf weniger Konkurrenz bei M&A-Deals treffen konnten.

Wie geht es weiter? Die Branche ist offenkundig optimistisch. Davon zeugt zum Beispiel die Bereitschaft, die Teams zu vergrößern. 56 Prozent, mehr als die Hälfte der PE-Häuser sind dazu bereit. Vor einem Jahr hatten sich nur 46 Prozent der Häuser so geäußert, 17 Prozent hatten sogar eine Verkleinerung des Teams ins Auge gefasst. Jetzt gilt das nur für fünf Prozent. Und weil Buy-and-build die mit Abstand beliebteste Wertsteigerungsmethode bleibt, dürften die größeren Teams auch in den kommenden Monaten gut ausgelastet sein. Business as usual, so scheint es.