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„Der beste Partner für mein Unternehmen“ – Gründer setzen auf Private Equity

Das Image der einst viel gescholtenen Finanzinvestoren hat sich unter den Inhabern von Unternehmen in der Vergangenheit nachhaltig gebessert. So ist die Zusammenarbeit mit einer Private-Equity-Gesellschaft für inhabergeführte mittelständische Firmen schon länger kein Tabu mehr. Dies belegen auch Zahlen der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) aus der jährlichen Untersuchung „Trends im deutschen Buy-out-Markt“.

Weit mehr als jedes zweite Management-Buy-out (MBO) im mittleren Segment des deutschen Buy-out-Marktes war zwischen 2016 und 2020 ein Verkauf eines mittelständischen Unternehmens aus privater Hand an einen Finanzinvestor. In den Jahren 2004 bis 2015 hatte diese Quote nur bei elf Prozent gelegen.

Hier hat sich wohl eine nachhaltige Entwicklung ergeben: Immer mehr Firmeninhaber denken über die Zusammenarbeit mit privaten Investoren nach – und nicht erst, wenn es um die Unternehmensnachfolge geht. Hier stellen wir aktuelle Beispiele vor:

Wachstum mit einem starken Partner
Im Juni 2019 beteiligten sich der DBAG Fund VII und die DBAG an zwei IT-Unternehmen und führten sie zur Cloudflight GmbH zusammen. Rund 350 Software- und Cloud-Experten bieten Mittelständlern und Konzernen strategische Digital-Beratung, IT-Plattform- und Architektur-Design, Software-Entwicklung und begleiten den Rund-um-die-Uhr-Cloud-Betrieb. Für Co-Geschäftsführer Christian Federspiel war der Verkauf „kein schwieriger Schritt“. Angesichts des immer schneller werdenden Fortschritts hatte er sich schon bald nach der Unternehmensgründung überlegt, wie weiteres Firmenwachstum finanziert werden könnte.

Der hohe Finanzierungsbedarf für gebotene Investitionen in die Bereiche Künstliche Intelligenz oder Internet of Things wären nach seiner Einschätzung über Kredite oder Fördergelder nicht sinnvoll darzustellen gewesen. „Wir haben erkannt, dass ein größeres Wachstum nur im Zusammenspiel mit einem Investor möglich ist“, erklärt Federspiel zu seiner Entscheidung. Auf diese Weise habe Cloudflight auch die Chance bekommen, wertvolle und wichtige Kompetenzen mit an Bord zu holen. Als ein Beispiel nennt er die Einrichtung eines starken Beirats, der ein guter Sparringspartner bei strategischen Entscheidungen ist. Das Know-how eines Private-Equity-Partners zahlt sich nach seiner Sicht auch aus, wenn es um den Kauf anderer Unternehmen geht. „Hier können wir von der guten Erfahrung in der Begleitung solcher Prozesse profitieren“, findet Federspiel.

Europäischen Marktführer schaffen
Welche Möglichkeiten sich aus der Zusammenarbeit mit einem Investor für den langfristigen Fortbestand des eigenen Unternehmens ergeben können, zeigt das Beispiel der Multimon GmbH. Im Jahr 2020 investierte die DBAG: Für Edward Skube, schon damals einer der geschäftsführenden Gesellschafter, war die Zusammenarbeit mit einem privaten Investor die Basis, um die Expansion mit dem Ziel „europäischer Marktführer“ zu ermöglichen. „Wir wollten unsere Firma langfristig ausrichten und als Nukleus für eine marktführende Gruppe unser Wachstum fortsetzen.“ Kurz nach Beteiligungsbeginn wurde ein erster Unternehmenszukauf bereits abgeschlossen. Mit einem starken Investor an der Seite konnten die inzwischen knapp 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicher sein, dass Multimon auf Expansionskurs bleibt.

Multimon, 1982 gegründet, Sitz in Kirchheim bei München, liefert schlüsselfertige Brandschutzanlagen. Von der Planung über die Installation bis zur Inbetriebnahme erfolgt die Betreuung der Kunden aus einer Hand. Auch den Service der Anlagen übernimmt das Unternehmen: Das sichert langfristig Einnahmen aus Wartungsverträgen.

Eine Grundlage für den Verkauf des Unternehmens war die Größe mit einem Umsatz von 77 Millionen Euro (2020) – groß genug, damit Multimon Kern einer später noch größeren Unternehmensgruppe bleibt. Bei der Wahl des Private-Equity-Partners sei es ihm und seinem Team vor allem auf den Faktor Vertrauen angekommen: „Man arbeitet ja doch über einen längeren Zeitraum zusammen.“ So war es für ihn und seine Partner in der Unternehmensführung auch ein konsequenter Schritt, sich mit einer Rückbeteiligung in das neue Unternehmen einzubringen.

Kräftiges Wachstum geht nur mit einem Investor
„Mein Ziel war es von Beginn an, die Radiologie zu verbessern und weiter nach vorne zu führen“, sagt Thilo-Andreas Wittkämper, Vorsitzender der Geschäftsführung der blikk Holding GmbH. Der Facharzt für Radiologie wollte neben seinen ärztlichen Aufgaben auch als Unternehmer aktiv sein und kümmerte sich früh um effektive Prozesse in seiner Praxis. Sein Konzept ging auf, denn bis zum Jahr 2019 verfügte sein Unternehmen über mehrere Praxen mit mehr als 500 Mitarbeitern.

Für Wittkämper war es immer eine wichtige unternehmerische Regel, nicht nur ans Geld zu denken. Seine drei Prioritäten sind Patienten, Mitarbeiter und die Qualität. Sein Entschluss für die Zusammenarbeit mit der DBAG hatte mit seinem langfristigen Ziel der Verbesserung der medizinischen Versorgung zu tun. „Ab einem bestimmten Zeitpunkt war für mich klar, dass ich die nächsten größeren Schritte nur zusammen mit einem starken Partner machen kann“, erläutert Wittkämper seine Entscheidung für einen Verkauf. „Ein Finanzpartner, der versteht, dass es gerade im Gesundheitswesen vor allem um die Patienten geht und der erkennt, dass es motivierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedarf, denen man Respekt und Wertschätzung entgegenbringt, ist der ideale Partner, um die radiologische Versorgung in Deutschland weiter zu verbessern. Die DBAG ist dafür genau der richtige Partner.“ Inzwischen ist die Radiologiegruppe blikk auf mehr als 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewachsen. Das Wachstum soll sich in den kommenden Jahren fortsetzen: „Wir haben inzwischen zahlreiche Praxen in Deutschland auf dem Schirm, die wir auf Herz und Nieren durchleuchten und die daran interessiert sind, sich uns anzuschließen“, kündigt Wittkämper an.

Bundesverband BVK sieht mehr Offenheit
„Wir als Branchenverband beobachten durchaus, dass die Offenheit gegenüber Beteiligungsgesellschaften bzw. externen Investoren in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat. Viele Unternehmer sehen die Chancen, die mit Beteiligungskapital verbunden sind“, berichtet Ulrike Hinrichs, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK). Darunter würden vor allem Finanzierungen von Wachstum, Nachfolgeregelung und Innovationen fallen. Im Zuge der Corona-Pandemie hätten sich Beteiligungsgesellschaften zudem auch als Stabilitätsanker erwiesen, die Ihre Portfoliounternehmen als langfristig orientierter Partner durch die Krise geholfen haben.



Neben dem eigentlichen Thema „Kapital“ gewinnt nach Ansicht von Hinrichs auch das Thema Beteiligungskapital als „smart money“ eine immer größere Bedeutung. Unternehmer würden zunehmend die Beteiligungsmanager als Sparringspartner bei operativen und strategischen Fragen schätzen und deren Rat und die Branchenexpertise der Manager nutzen.

Eine Ursache sieht Hinrichs unter anderem in der internationaleren Ausbildung des Nachwuchses: „Viele studieren im Ausland, und besonders in der angelsächsischen Lehre sind PE-Finanzierungsformen weitaus verbreiteter“, sagt Hinrichs. Zudem gäbe es in der jüngeren Vergangenheit viele positive Beispiele, die offen kommuniziert wurden wie Rossmann, Douglas, Reno, Rodenstock. Auf diese Weise konnten Vorurteile weiter entkräftet werden. Schließlich sei es auch so, dass aufgrund regulatorischer Vorgaben die Mittelstandsfinanzierungen über Banken schwieriger würden und so Eigenkapital weiter an Bedeutung gewinne. Private-Equity-Gesellschaften könnten diese Lücke gut schließen.

Trend zu Minderheitsbeteiligungen
Auch Christian Wewezow, ehemaliger Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren (WJD) und Geschäftsführer der Clockwise Consulting GmbH hat festgestellt, dass sich eher jüngere Firmeninhaber oder Nachfolger von kleinen und mittelständischen Unternehmen zunehmend stärker der Private-Equity-Branche zuwenden. Er hat inzwischen selbst eine Beteiligungsgesellschaft und in den vergangenen Jahren viele verschiedene Gespräche zu diesem Thema mit Unternehmern geführt, die wissen wollten, wie die Zusammenarbeit mit Private Equity gelingen kann.

Vor allem zur Finanzierung von Wachstum sei die Zusammenarbeit mit einem Private Equity-Investor im Fokus. Wobei Wewezow hier auch einen Trend zu Minderheitsbeteiligung sieht – nicht jeder sei bereit, das Ruder und damit die Kontrolle aus der Hand zu geben. „Die nächste Generation denkt über diese Möglichkeiten stärker nach“, sagt er. Hinzu käme, dass auch in der Industrie und im Handel der internationale Druck besonders aus asiatischen Ländern zunehme. Das führe dazu, dass Firmen ihre Investitionen und Risiken stärker auszubalancieren haben.