DEEN
17.08.2018

Mit den richtigen Informationen zur richtigen Entscheidung: Das Branchenbarometer


Dem Investment in eine börsennotierte Private-Equity-Gesellschaft, folgt für Anleger oft der Wunsch, sich über das Marktumfeld zu informieren. Wie sind die Aussichten für das Unternehmen, attraktive Beteiligungsmöglichkeiten zu finden? Wie ist die Preisentwicklung, was tut sich im Wettbewerb? Hier können Branchenbarometer helfen, sofern sie mit Bedacht ausgewählt, sorgfältig bewertet und kritisch hinterfragt werden. Da sich die verschiedenen Publikationen, abhängig von der Art der Datenerhebung und der Zielgruppe der Analyse, in ihren Ergebnissen durchaus unterscheiden, lohnt sich in jedem Fall ein vergleichender Blick.

Stimmungsindikator des deutschen Kapitalmarktes
Einmal im Quartal erscheint das „German Private Equity Barometer“, das vom Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) und der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) veröffentlicht wird. Basis der Einschätzung ist eine vierteljährliche Befragung unter den etwa 250 Mitgliedern des BVK und weiterer deutscher Beteiligungsgesellschaften. Abgefragt werden hierfür eine Beurteilung der aktuellen Geschäftslage und eine Einschätzung der Geschäftserwartung für die kommenden sechs Monate. Aus den Saldi der Bewertungen, also den Anteilen der Gutmeldungen abzüglich der Anteile der Schlechtmeldungen, wird dann ein Mittelwert gebildet. Die Bewertungen werden dabei so gewichtet, dass sie die Gesamtheit der BVK-Mitglieder hinsichtlich ihres Kapitaleinsatzes und Investitionsfokus repräsentieren. Das Ergebnis ist also ein Geschäftsklimaindex für den deutschen Beteiligungsmarkt, der im Wesentlichen eine Einschätzung ist von Gesellschaften und Entscheidern, die den Markt kennen und permanent im Blick haben. Das ermöglicht zudem die Differenzierung in die für potenzielle Investoren wichtigen Segmente Frühphase (Seed-/Start up-Investoren) und Spätphase (Wachstums- und Buy-out/Buy-in-Investoren).

Die Analysen der Wirtschaftsprüfer
Auch die großen Wirtschaftsprüfungsinstitute und Unternehmensberatungen wie EY, KPMG, Deloitte und PwC veröffentlichen regelmäßig ihre Einschätzung des Kapital- und Transaktionsmarktes. EY beispielsweise wertet in seiner Analyse „Der Transaktionsmarkt in Deutschland“ zweimal im Jahr Daten aus unterschiedlichen Quellen selbst aus und erstellt aussagekräftige Zeitreihen. Daten aus dem eigenen Beratungsgeschäft ergänzt und verifiziert EY neben Börsendaten unter anderem mit Datensätzen der Mergermarket Group, einem Medienunternehmen, das Finanznachrichten, Forschung und Analysen zu Finanzmärkten bereitstellt sowie Daten von Bloomberg, dem bekannten Informations- und Nachrichtendienstleister. Außerdem identifiziert EY im Bericht für das zweite Halbjahr immer drei Trends für das Folgejahr und gibt teilweise konkrete Handlungsempfehlungen, wie zum Beispiel das verstärkte Eingehen von Minderheitsbeteiligungen.

Eine kritische Stimme im Kanon
Der „Private Equity Monitor“ der Hans-Böckler-Stiftung ist die einzige regelmäßige wissenschaftliche Berichterstattung zu Übernahmen durch Private Equity in Deutschland. Im Unterschied zu anderen Analysen betrachtet die Stiftung alle Übernahmen und Verkäufe von Unternehmen in Deutschland durch Private-Equity-Gesellschaften aus arbeitnehmerorientierter Sicht. Der jährlich erscheinende Bericht ordnet die Zahlen der Branchenverbände ein und ermöglicht durch eigene Forschung einen neutralen Blick auf das Geschehen am Beteiligungsmarkt. Grundlage des „Private Equity Monitor Deutschland“ sind empirische Transaktionsdaten diverser Informationsdienstleister, wie Bureau van Dijk (Zephyr), Majunke Consulting (Deal News) und Preqin (Buyout Deal Analyst), die den Verkauf eines Unternehmens beschreiben und üblicherweise Informationen zum Zielunterunternehmen, zum Käufer und zum Verkäufer enthalten. Daten zum Umsatz, zum EBIT und den Beschäftigten der übernommenen Unternehmen recherchiert die Stiftung in den Datenbanken der genannten Informationsdienstleister, in den Jahresabschlüssen der Unternehmen, auf deren Homepages sowie in begleitenden Presseberichten. Aus dieser Datenmenge entsteht eine umfassende und aktuelle Analyse der Aktivitäten von Private-Equity-Investoren in Deutschland.

Individuelle Schwerpunkte für unterschiedliche Investments
Die unterschiedlichen Analysen zeichnen ein Bild des Marktes und helfen, aktuelle Entwicklungen zu verstehen. Das gilt natürlich insbesondere, wenn zur Orientierung mehrere Analysen zu Rate gezogen werden. Die inhaltlichen Schwerpunkte jedes Barometers müssen bei der Betrachtung individuell betrachtet und eingeordnet werden – denn über das Geschäftsmodell einer Investition und dessen Aussichten können die Analysen naturgemäß keine Aussage treffen.