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10.05.2012

PRIVATE EQUITY SETZT AUF INTERNATIONALISIERUNG

STUDIE: M&A AKTUELL ALS WERTSTEIGERUNGSSTRATEGIE WENIGER FAVORISIERT / MITTELSTAND PROFITIERT

Frankfurt am Main, 10. Mai 2012. Private-Equity-Investoren setzen in ihren Portfoliounternehmen aktuell zur Wertsteigerung am stärksten auf die Internationalisierung von Geschäftsmodellen, gefolgt von einer Optimierung der Produktion. Internationalisierungsstrategien bieten nach Aussagen von PE-Spezialisten einen großen Hebel bei einer Bemessung des Unternehmenswertes. Der Trend hat erst begonnen: In den kommenden vier Jahren soll die Internationalisierung einen weiteren starken Schub erfahren. Für andere Wertsteigerungsstrategien wird bei weitem keine so kräftige Zunahme erwartet. Insbesondere M&A-Aktivitäten werden inzwischen als weniger wichtig eingestuft. Dies sind die wesentlichen Ergebnisse der heute veröffentlichten Studie „Private Equity: Impulsgeber im Mittelstand“, die FINANCE Research im Auftrag der internationalen Kanzlei Noerr LLP und der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) erstellt hat. Mittelständische Unternehmen sind im Vergleich zu Großunternehmen bisher weniger stark im Ausland vertreten. Sie werden besonders profitieren, wenn sich Finanzinvestoren an ihnen beteiligen.

Mehr als 120 Investmentmanager aus rund 100 verschiedenen Private-Equity-Häusern haben an der Studie teilgenommen. Sie repräsentieren einen großen Teil der deutschen Private-Equity-Landschaft. Ziel der Studie war es unter anderem, herauszufinden, welche Wertsteigerungsstrategien von Portfoliounternehmen unter Beteiligung von Finanzinvestoren umgesetzt werden, wie stark sich diese auf die Eigenkapitalrendite auswirken oder wie etwa deren Chance-Risiko-Verhältnis bewertet werden.

Der Studie zufolge nutzen schon aktuell nahezu zwei Drittel der Portfoliounternehmen die Internationalisierung ihres Geschäftsmodells „stark“ bzw. „sehr stark“. Eine Produktionsoptimierung wird von 60 Prozent der Unternehmen im gleichen Maß verfolgt, während eine tiefere Wertschöpfung oder eine Förderung der Markenpräsenz weniger im Fokus steht (50 Prozent bzw. 33 Prozent). Die Bevorzugung der Internationalisierung hat vor allem einen Grund: Ihr wird eine „große“ bzw. „sehr große“ Wirkung auf die Eigenkapitalrendite zugemessen. Das meinten 72 Prozent der Befragten. Andere Strategien erreichten deutlich niedrigere Zustimmungen (31 bis 63 Prozent). Allerdings dauert es vergleichsweise lange, bis Internationalisierungsstrategien sich im Geschäftsergebnis niederschlagen, und sie sind mit einem relativ hohen Risiko eines Scheiterns verbunden.

In den kommenden Jahren sollen Private Equity Finanzierungen noch intensiver dafür eingesetzt werden, den Kunden ins Ausland zu folgen – nicht nur durch den Aufbau von Fertigungsstätten und die Etablierung von Forschung und Entwicklung, den Aufbau eines Vertriebs- oder Franchisenetzes bis hin zum Aufbau eines integrierten internationalen Konzerns: Mehr als 60 Prozent der befragten PE-Investment-Manager gaben an, dass ihre Portfoliounternehmen stärker auf solche Maßnahmen setzen werden. Alle anderen Wertsteigerungsstrategien wurden deutlich niedriger gewichtet (21 bis 44 Prozent). Dass M&A-Aktivitäten oder Buy-and-build-Strategien wieder an Bedeutung gewinnen, erwartet zurzeit nicht einmal jeder dritte, der die Fragen beantwortete. Eine ähnliche Studie vor fünf Jahren hatte ergeben, dass nahezu alle Finanzinvestoren in ihren Portfoliounternehmen auf M&A zur Wertsteigerung setzten. („Private Equity im Mittelstand – Wie verändern Finanzinvestoren deutsche Unternehmen?“, FINANCE Research, Juni 2007).

„Die Studie zeigt einmal mehr, dass Finanzinvestoren ihre Portfoliounternehmen voranbringen und sie wettbewerbsfähiger machen“, betont Wilken von Hodenberg, Sprecher des Vorstands der Deutschen Beteiligungs AG, anlässlich der Vorstellung der Studie. Und weiter: „Die Zeit, in der man allein mit Kostensenkungen, Prozessoptimierungen und forciertem Vertrieb Unternehmen wertvoller machen konnte, sind vorbei. Heute versuchen viele Unternehmen mit Hilfe von Private Equity ein Global Player zu werden, sich breiter aufzustellen, um besser für den Wettbewerb mit neuen Konkurrenten gerüstet zu sein.“

„Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Private-Equity-Branche derzeit grundlegend verändert“, kommentiert Noerr-Partner Dr. Georg Christoph Schneider die Ergebnisse. Die stärkere Ausrichtung auf Wertsteigerungsstrategien wie die Internationalisierung bringt es nach Meinung des Private-Equity-Experten mit sich, dass sich die Anforderungen an Private-Equity-Investoren verändern. „Private-Equity-Investoren verfügen heute über vertiefte Markt- und Industrie¬kenntnisse.“

GROSSES POTENZIAL FÜR DEN MITTELSTAND

„Mittelständische Unternehmen profitieren von der Beteiligung eines Finanzinvestors“, sagt Schneider. Laut einer Studie der KfW-Bank zur Globalisierung des Mittelstands sind rund 50 Prozent der deutschen mittelständischen Unternehmen bisher überhaupt nicht im Ausland aktiv. Häufig scheitert der Gang in ausländische Märkte an begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen eines Mittelständlers. „Kapital, Knowhow und Erfahrungen von Finanzinvestoren können diesen Prozess jedoch beschleunigen“, hebt Dr. Schneider hervor. Denn: „Finanzinvestoren begleiten Projekte zur Internationalisierung in ihren Portfoliounternehmen regelmäßig und können auf ein bestehendes Netzwerk zurückgreifen – die Beteiligung eines Finanzinvestors wird so bei der globalen Ausrichtung mittelständischer Unternehmen zum Wettbewerbsvorteil.“

Die Entwicklung wird die Private-Equity-Branche verändern: „Private-Equity-Häuser haben sich gegenüber früheren Fondsgenerationen mit auf Branchen und Märkte fokussierten Teams und der Bereitschaft zu längerfristigen Engagements in ihren Portfoliounternehmen neu ausgerichtet“, folgert Dr. Schneider aus der Studie.