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Brief an unsere Aktionäre

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NETTOVERMÖGENSWERT
422,0
MILLIONEN EURO
ERGEBNIS AUS DER FONDSBERATUNG
9,5
MILLIONEN EURO
DIVIDENDENRENDITE FÜR AKTIONÄRE
2,4
PROZENT

es ist nicht einfach, das vergangene Geschäftsjahr angemessen zu bewerten: Wir beenden es mit einem niedrigeren Nettovermögenswert als zu Beginn. Geplante Veräußerungen mussten wir verschieben. Die Dividende fällt deutlich geringer aus. Das sind keine positiven Botschaften. Jedenfalls verglichen mit den Erwartungen an ein normales Jahr. 2020 ist jedoch kein normales Jahr. „Mehr als eine Million Menschen haben seit Anfang des Jahres ihr Leben durch Covid-19 verloren, und die Zahl der Opfer steigt weiter“ – so beginnt zum Beispiel der Weltwährungsfonds seine Herbstprognose. Historische Vergleiche greifen bis zu hundert Jahre zurück, um etwas Ähnliches zu finden wie jene Pandemie, von der die Welt seit dem Jahresbeginn heimgesucht wird.

Die Pandemie hat uns gezwungen, unsere ursprüngliche Prognose in wesentlichen Teilen zurückzunehmen. Im Segment Private-Equity-Investments hat der Einbruch der wirtschaftlichen Aktivität den Nettovermögenswert belastet.

Wir haben neben der konsequenten Unterstützung unserer Portfoliounternehmen bei der Bewältigung der Herausforderungen der Pandemie und ihrer wirtschaftlichen Folgen im vergangenen Geschäftsjahr aber die Entwicklung der DBAG weiter vorangetrieben. Die Früchte hieraus werden wir in den nächsten Jahren sehen. Zu nennen sind die Vergößerung unseres Investmentteams um fast ein Viertel, die Verbreiterung unseres Produktangebots, unser Markteintritt in Norditalien, der Abschluss des Fundraisings des DBAG Fund VIII und nicht zuletzt die Veränderungen im Portfolio: Sieben Transaktionen hat unser Investmentteam während der Einschränkungen im Frühjahr vorbereiten und in den Sommermonaten abschließen können: Vier neue Management-Buy-outs und die erste Langfristige Beteiligung ergänzen inzwischen das Portfolio. Ein Unternehmen wurde vollständig, eine weitere Beteiligung mit Erfolg zum Teil veräußert – auch dies bemerkenswert angesichts des wirtschaftlichen Umfelds.

Dies war nur möglich, weil wir in den Jahren zuvor eine konsequente Digitalisierung unserer Geschäftsprozesse angestoßen und in unsere IT-Ausstattung sowie in die Kompetenzen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investiert hatten. Wir konnten Anfang März vollständig in den Online-Modus schalten und unseren Geschäftsbetrieb in allen Funktionen reibungslos fortführen.

Über den DBAG Fund VIII haben wir Sie bereits vor Jahresfrist informiert. Wir konnten diesen Fonds mit noch einmal höheren Investitionszusagen und verbesserten Konditionen für unsere Fondsberatung im Mai schließen. Die DBAG will an der Seite dieses Fonds 255 Millionen Euro investieren – dies ist erneut eine Steigerung und wird die Fortsetzung unseres Wachstumskurses ermöglichen. Eine erhöhte Kreditlinie verschafft uns zusätzliche Flexibilität, um jederzeit attraktive Beteiligungsmöglichkeiten wahrnehmen zu können. Der neue Fonds hat sich bereits positiv auf das Ergebnis des Segments Fondsberatung ausgewirkt, das die Ziele des Geschäftsjahres erreicht hat.

Unser Produktangebot haben wir dazu im vergangenen Jahr noch einmal geschärft. Mit Management-Buy-outs an der Seite der DBAG-Fonds lösen wir Nachfolgesituationen im Mittelstand. Daneben tritt ein Angebot für Eigenkapital, dass langfristig zur Verfügung steht – jedenfalls länger, als die übliche Laufzeit eines Private-Equity-Fonds es gestattet. Diese Beteiligungen finanzieren wir nicht über Fonds sondern ausschließlich aus der eigenen Bilanz. Dies gibt uns große zeitliche Flexibilität. Auch dieses Angebot wendet sich an Unternehmen im Mittelstand, da gerade immer wieder Familieneigentümer nach einem wirklich langfristig ausgerichteten Mitgesellschafter suchen. Gerade im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld sehen wir zudem viele Beteiligungsmöglichkeiten an Unternehmen in Sondersituationen. Dies können Randgeschäfte in Konzernen mit guter Marktposition und bewährtem Geschäftsmodell sein, die jedoch durch die Folgen der Pandemie geschwächt wurden. Staatliche Darlehen und Kurzarbeitsregelungen helfen kurzfristig, langfristig zur Verfügung stehendes Eigenkapital und eine solide Kapitalbasis sind allerdings Voraussetzungen für eine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung.

Das Portfolio ist inzwischen stärker diversifiziert als vor wenigen Jahren. Die Abhängigkeit von zyklischen Branchen hat abgenommen. Das hat sich gerade in der Pandemie gezeigt. Neben Unternehmen, die von strukturellen Veränderungen in ihren Abnehmermärkten getroffen sind, treten jene, deren Geschäftsmodell in den vergangenen Monaten einen Schub erhalten hat. Dazu gehören zum Beispiel unsere Investments in der Breitband-Telekommunikation oder die Software-Unternehmen, die von der nun beschleunigten Digitalisierung in vielen Lebensbereichen und Geschäftsmodellen profitieren.

Während wir diesen Brief an Sie abschließen, hat in Deutschland ein zweiter sogenannter Lockdown begonnen. Wachstumsprognosen, die erst wenige Wochen alt sind, werden korrigiert. Die Kursbewegungen an den Kapitalmärkten zeugen von starker Nervosität. Auf was müssen Sie sich als Aktionäre der Deutschen Beteiligungs AG einstellen?

Unsere Prognose für 2020/2021 ist angesichts des dynamischen Infektionsgeschehens und der schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen verhalten. Im Segment Private-Equity-Investments erwarten wir nur eine leichte Steigerung des Nettovermögenswertes. Wir haben dabei stabile Verhältnisse an den Kapitalmärkten unterstellt. Im Segment Fondsberatung werden die Erträge aus den Beratungsmandaten der DBAG-Fonds um rund ein Viertel höher ausfallen als im Vorjahr, weil der neue DBAG Fund VIII über ein volles Jahr einbezogen wird. Diese stabilen und gut planbaren Erträge tragen zur Finanzierung unseres Geschäftsbetriebs und zur Dividendenfähigkeit bei. Für das ohnehin schon deutlich gestiegene Ergebnis aus der Fondsberatung erwarten wir eine weitere Verbesserung. Wir wissen, dass der Kapitalmarkt diesen Leistungsindikator aufmerksam beobachtet und zunehmend als eine Grundlage für die Bewertung unserer Aktie heranzieht.

An der Börse werden vor allem die kurzfristigen Aussichten bewertet. Dass wir unsere unternehmerischen Entscheidungen nicht mit Blick auf die kommenden zwölf Monate treffen, wissen Sie. In den eingangs beschriebenen Maßnahmen, die wir trotz Pandemie umgesetzt haben, spiegelt sich unsere Zuversicht für die Fortsetzung der langfristig positiven Entwicklung der DBAG wider. Unsere Aufstellung am Markt ist gut. Wir können über rund eine Milliarde investitionsbereites Kapital verfügen und in neue Beteiligungen investieren. Nach der Vereinbarung einer weiteren Kreditlinie prüfen wir weitere Finanzierungsoptionen, etwa auf der Eigenkapitalseite. Nicht zu vergessen: Unser Portfolio enthält einige Unternehmen, die wir schon über einen längeren Zeitraum begleiten; Veränderungsprozesse, die wir bei Beteiligungsbeginn angestoßen haben, sind weit fortgeschritten. Wir erfahren Interesse strategischer Investoren an unseren Beteiligungen.

All das stimmt uns zuversichtlich. Das vergangene Jahr hat gezeigt, dass unser Portfolio krisenfest ist und wir auch ungewöhnliche Herausforderungen meistern können. Darauf vertrauen wir, angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage, kurzfristig. „Bewährtes ausbauen. Neues anstoßen.“ – dieser Leitspruch drückt aus, was uns grundsätzlich antreibt.

Im neuen Geschäftsjahr gehört dazu auch, dass wir daran arbeiten, unser Handeln noch stärker als zuvor an Nachhaltigkeitsprinzipien auszurichten. Die Deutsche Beteiligungs AG sieht sich seit jeher den Grundsätzen nachhaltigen Handelns verpflichtet. Es entspricht dem langfristigen Charakter unseres Geschäfts, dass wir Verantwortung dafür übernehmen, wie sich unsere Entscheidungen jetzt und in Zukunft auf andere auswirken – im Investmentprozess, bei der Entwicklung und späteren Veräußerung unserer Portfoliounternehmen sowie in der Führung unseres Unternehmens. Diesen Anspruch machen wir künftig auch in unserem zentralen Unternehmensziel deutlich: „Wir wollen den Unternehmenswert der Deutschen Beteiligungs AG nachhaltig steigern“. Wir verbinden mit diesem Begriff eine langfristige Steigerung den Unternehmenswertes unter Berücksichtigung ökonomischer und sozialer Aspekte sowie einer guten Unternehmensführung. Wir arbeiten daran, relevante Informationen zu definieren, Daten zu erheben und aufzubereiten, um sie in die Unternehmenssteuerung zu integrieren. Dabei beschränken wir uns nicht allein auf die Geschäftsprozesse in der Deutschen Beteiligungs AG, sondern beziehen unsere Portfoliounternehmen ein.

Wir sind sicher, dass sich die Deutsche Beteiligungs AG auch 2021 weiterentwickeln wird, damit wir nicht nur langfristig, sondern auch nachhaltig Wert schaffen – Wert für die Aktionäre und die anderen Anspruchsgruppen unseres Unternehmens.

Ihr Vorstand
der Deutschen Beteiligungs AG


Torsten Grede
Dr. Rolf Scheffels
Susanne Zeidler