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Susanne Zeidler im Gespräch

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Gut investiert

Wer sich Richtung Mittelstand orientiert und in gut gemanagte Unternehmen investiert, der bewegt sich auf der sicheren Seite – auch und gerade in der Krise. Das sehen Banken und Investoren ganz genauso wie die DBAG, wie ein Gespräch mit DBAG-Finanzvorstand Susanne Zeidler, Dr. Michael Lang, Leiter Acquisition Finance bei der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, und Oliver Diehl, Leiter Equity Capital Markets bei der Investmentbank Jefferies, zeigt.

Frau Zeidler, welche Spuren hat die Corona-Krise bisher bei der DBAG hinterlassen?

Zeidler: Nun, zunächst einmal haben wir im Frühjahr einen deutlichen Einschnitt erlebt. Geplante Beteiligungsmöglichkeiten wurden wieder vom Markt gezogen, unser Geschäft kam fast zum Erliegen. Aber dadurch hatten wir Zeit, um unsere Portfoliounternehmen gut in Position zu bringen. Darauf haben wir uns konzentriert, und dabei waren wir auch erfolgreich. Stand heute können wir sagen, dass die Risiken in unserem Portfolio beherrschbar sind.

Und wie steht es um die DBAG selbst? Gerät Ihre eigene Finanzierung nicht auch unter Druck?

Zeidler: Nein. Wir haben unsere finanziellen Möglichkeiten sogar erweitert. Ziemlich genau zu Beginn der Pandemie hatten wir den DBAG Fund VIII eingeworben – mit Zusagen, die in Summe leicht oberhalb unserer Zielgröße lagen. Bei unserem Geschäftsmodell bedeutet das ein steigendes Investitionsvolumen unsererseits. Genau gesagt: eine Ausweitung auf 360 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren, die wir wie immer solide finanzieren – durch Erlöse aus dem Portfolio, aber kurzfristig auch über Kreditlinien und mit längerer Perspektive über die Börsennotierung.

An dieser Stelle kommen die beiden Herren ins Spiel. Herr Lang, Sie haben mit Blick auf dieses steigende Investitionsvolumen eine neue Kreditlinie an die DBAG über 40 Millionen Euro ausgereicht. Ist das nicht ein riskanter Schritt in dieser Zeit?

Lang: Nein, wir betrachten das ganz und gar nicht als riskanten Schritt. Wir wissen, dass durch eine solche Zusage tatsächlich und ausschließlich Zukunft und Wachstum finanziert werden. Außerdem wissen wir, dass die Expertinnen und Experten der DBAG die Chancen und Risiken der Geschäfte, in denen sie investiert sind, sehr gut beurteilen können. Die Historie der Beteiligungen und Veräußerungen der DBAG bestätigt dies. Maßgeschneiderte Akquisitionsfinanzierungen sowie tiefes Verständnis für die Investitionsparameter im Private-Equity-Geschäft sehen wir bei der Helaba als eine unserer Stärken an. Deshalb konnten wir der DBAG auch in der Corona-Zeit ein überzeugendes Angebot unterbreiten.

V.l.n.r.: Dr. Michael Lang, Oliver Diehl und Susanne Zeidler

Nun sagt aber die Historie nur bedingt etwas über die Zukunft aus. Sehen Sie in Sachen Stabilität und Sicherheit auch strukturelle Vorteile einer Private-Equity-Gesellschaft?

Lang: Ja. Strategische Käufer haben in der Corona-Zeit eher Liquidität gehortet und Cashflow gesichert. Private Equity nutzt die aktuellen Chancen und agiert selektiv. Es werden Unternehmen identifiziert, die weitgehend krisenfest sind, und natürlich hat ein Player wie die DBAG auch die Kraft, Beteiligungsgelegenheiten zu attraktiven Multiplikatoren wahrzunehmen. Außerdem ist doch klar: Der Bedarf an Eigenkapital der Unternehmen wird infolge der Pandemie steigen. Da hat man gerne einen starken Partner wie die DBAG an Bord. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, eine solche Stärke zu untermauern.

Sie sprechen die Krisenfestigkeit der Portfoliounternehmen an. Wie genau haben Sie auch die von außen im Blick?

Lang: Wir schauen uns jede einzelne Transaktion der DBAG genau an. Als Zentralbank der Sparkassen können wir uns in der Regel auch dann ein gutes Bild machen, wenn wir mit den Einzelunternehmen selbst keine Geschäftsverbindung haben, weil wir das Expertenwissen der Kollegen in der jeweiligen Region nutzen können.

Herr Diehl, wie beurteilen Sie aus Sicht des Aktienmarktes das Risikopotenzial der Portfoliounternehmen und damit auch der DBAG?

Diehl: Wir haben ja gesehen, dass sich die DBAG-Aktie von ihrem Tiefstand bei rund 24 Euro recht schnell wieder erholt hat. Das Unternehmen erreicht derzeit eine Marktkapitalisierung von rund 500 Millionen Euro. Ich denke, dass dieser Wert die Chancen und Risiken recht gut widerspiegelt. Die Kurserholung zeigt, dass die Portfoliounternehmen eben nur zu einem kleineren Teil negativ von der Pandemie betroffen sind – und dass die DBAG die Auswirkungen gut gemanagt hat.

„Wie steht es um die Finanzierung der DBAG?“
Besteht die Gefahr, dass sie in der gegenwärtigen Phase auch unter Druck gerät?

Was genau bedeutet „gut“ in diesem Zusammenhang?

Diehl: Nehmen Sie zum Beispiel die Tatsache, dass die DBAG früh wieder auf Wachstum und Dynamik umgeschaltet hat: mit fünf neuen Beteiligungen kurz nach Ende des Lockdowns. Das ist ein klarer Beleg für erfolgreiches Krisenmanagement.

Nun ist die Krise aber ja keineswegs vorbei. Wie schätzen Sie jeweils die Zukunftsaussichten für das Geschäftsmodell der DBAG ein?

Lang: Die DBAG hat ihre Diversifikation konsequent in Richtung Digitalisierung und auch Healthcare vorangetrieben. Das zahlt sich aus. Dabei kann das Unternehmen zugleich auf eine Qualität bauen, die es seit vielen Jahren auszeichnet, nämlich die fundierte Fachkenntnis. Wir wissen, dass in der DBAG Menschen agieren, die sich in den jeweiligen Segmenten wirklich sehr gut auskennen.

Zeidler: Das ist sicher richtig. Trotzdem will ich an dieser Stelle klar sagen: Wir hoffen im Hinblick auf weitere Corona-Maßnahmen sehr auf das richtige politische Augenmaß – nicht nur wegen der Renditen, die wir erzielen wollen und müssen, sondern auch wegen der Arbeitsplätze, die auf dem Spiel stehen und mit Blick darauf, dass zu unseren Investoren ja auch institutionelle Anleger gehören, die etwa für Pensionsfonds bestimmte Renditen erzielen müssen. Zugleich hoffen wir, dass die Bevölkerung die Schutzmaßnahmen konsequent einhält, damit drastischere Schritte vermieden werden können.

Diehl: Zumal ja neben der Pandemie weitere Risiken bestehen. An erster Stelle ist hier sicher der Übergang auf die neue Administration in den USA zu nennen, aber auch der Brexit wirft nach wie vor viele Fragen auf.

Wie klug ist es in dieser Situation eigentlich, ausgerechnet in den deutschen Mittelstand zu investieren?

Diehl: Insgesamt beurteilen internationale Investoren die Situation in Deutschland als sehr positiv. Das liegt nicht zuletzt an Art und Umfang der staatlichen Unterstützung, die die Unternehmen insgesamt gestärkt hat. Wir haben deshalb im Vergleich zu anderen Ländern nur wenige Not-Kapitalerhöhungen gesehen. Deshalb ist Deutschland sehr attraktiv für Investoren.

Zeidler: Das Investment in den Mittelstand ist – auch und gerade in der Krise – immer dann lohnend, wenn es zum einen um substanziell gesunde Unternehmen geht. Zum anderen zahlt es sich aus, wenn die Unternehmen nach dem akuten Krisenmanagement schnell wieder in die konsequente Umsetzung ihrer strategischen Ziele zurückfinden – so wie unsere Portfoliounternehmen. Sie werden nach der Krise besser aufgestellt sein als vorher.

Stichwort „strategische Ziele“: Dazu gehört sowohl aus Sicht der Unternehmen als auch aus Sicht der Banken und Investoren immer stärker das Thema Nachhaltigkeit. Bleibt derzeit überhaupt noch Zeit und Raum für grüne und soziale Themen?

Lang: Für uns als Helaba ist das Thema Nachhaltigkeit zu 100 Prozent gesetzt – auch in der Krise. Nachhaltigkeit ist in der DNA der Helaba mit ihrem öffentlichen Gemeinwohlauftrag fest verankert. Unsere Kunden wollen wir durch die Bereitstellung nachhaltiger Finanzprodukte im Transformationsprozess hin zur Klimaneutralität aktiv begleiten. Und dadurch gerade in der Krise ein verlässlicher Partner sein. Ohne entsprechende Performance auf den klassischen ESG-Feldern, also bei Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards, wird es für die Unternehmen zunehmend schwierig.

Diehl: Ja, auch die Investoren machen hier durchaus Druck. Rund 35 Prozent aller Nettomittelzuflüsse in globale Aktienfonds sind im aktuellen Jahr in ESG-Fonds geflossen. Selbst ökonomisch gut aufgestellte Unternehmen werden mitunter ignoriert, weil sie das ESG-Rating eines Fonds negativ beeinflussen.

Zeidler: Diese Tendenz können wir bestätigen – und wir richten uns danach. So haben wir bereits seit vielen Jahren ESG-Kriterien in unsere Prozesse integriert und berücksichtigen diese auch bei jeder Due Diligence im Vorfeld von neuen Beteiligungen. Wenn es bei den Unternehmen noch offene Punkte in dieser Hinsicht gibt, gehen wir diesen konsequent nach.

„Wir haben unsere Möglichkeiten sogar erweitert.“
Wir finanzieren uns über Erlöse aus dem Portfolio, kurzfristig auch über Kreditlinien und längerfristig über die Börse.

Spielt in diesem Zusammenhang auch eine Rolle, dass die DBAG künftig nicht nur an der Seite ihrer Fonds, sondern auch ausschließlich mit Geld aus der eigenen Bilanz investiert? Und dass dies gerade dann geschieht, wenn es um längerfristige Beteiligungen geht, bei denen Nachhaltigkeit also besonders wichtig ist?

Zeidler: Zunächst einmal nehmen wir Nachhaltigkeit immer gleich wichtig – ob wir nun an der Seite unserer Fondsinvestoren oder im Rahmen einer Langfristigen Beteiligung investiert sind. Wir zielen immer auf langfristige und eben nachhaltige Wertsteigerung durch strategische Weiterentwicklung. Manchmal ist dafür aber ein längerer Atem nötig, als es im klassischen Zeithorizont eines Private-Equity-Fonds üblich ist. Für diese Fälle haben wir unser Angebot erweitert ...

Diehl: ... und damit einen wirklich wichtigen Punkt getroffen. Sie können dadurch auch außerhalb von Fondszyklen Unternehmen halten, die sich exzellent entwickeln – und das ist auch für Anleger eine höchst interessante Option.

Lang: Die DBAG hat damit deutlich mehr Flexibilität, wodurch sich zusätzliche Investitionsmöglichkeiten außerhalb des klassischen Private-Equity-Geschäfts eröffnen. Mit dieser neuen Art des Engagements rücken zum Beispiel auch langfristig orientierte Infrastrukturunternehmen in den Fokus, bei denen Investoren weniger an den Exit-Erlösen partizipieren als am kontinuierlichen Cashflow über längere Laufzeiten. Diese Kombination, gepaart mit den Vorteilen einer gelisteten Beteiligungsgesellschaft, hat aktuell kein anderer mittelständisch orientierter Wettbewerber in der DACH-Region.

Zum Abschluss ein kleines Gedankenexperiment: Wenn Sie auf den Stuhl eines Ihrer Gesprächspartner wechseln könnten – wessen Stuhl wäre das am ehesten und was würde Sie dort besonders faszinieren?

Lang: Mich würde der Stuhl von Frau Zeidler interessieren. Die Nähe zu den unternehmerischen Entscheidungen der Portfoliounternehmen in konkret herausfordernden Situationen stelle ich mir gerade in schwierigen Zeiten sehr spannend vor.

Diehl: Das geht mir genauso. Optimierungspotenzial bei Unternehmen zu identifizieren ist bestimmt eine befriedigende Aufgabe – besonders natürlich dann, wenn es am Ende gelingt, dieses Potenzial in vollem Umfang auszuschöpfen.

Zeidler: Als Finanzvorstand sitze ich ja schon ein wenig zwischen den Stühlen. Einerseits muss ich so handeln, dass eine kreditgebende Bank zufrieden ist, andererseits muss alles, was wir tun auch aus Investorensicht Sinn ergeben. Das ist nicht immer einfach, aber tatsächlich äußerst spannend. Insofern fühle ich mich also auf meinem Stuhl sehr wohl – gerade, weil ich damit in gewisser Weise zwischen den Stühlen sitze.

Herzlichen Dank Ihnen allen für das Gespräch!